Bewegung macht schlau: Wie körperliche Aktivität das Lernen in der Grundschule fördert
- schrambeate
- vor 6 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Einleitung
In unserer modernen Welt, in der Kinder zunehmend mehr Zeit sitzend vor Bildschirmen verbringen, wird die Bedeutung von Bewegung oft unterschätzt. Doch aktuelle Forschungsergebnisse aus Entwicklungspsychologie, Neurowissenschaften und Pädagogik zeigen deutlich: Bewegung ist nicht nur für die körperliche Gesundheit wichtig, sondern auch ein entscheidender Faktor für erfolgreiches Lernen in der Grundschule.
Mathematik beginnt nicht mit Zahlen, sondern mit Bewegung
Viele Eltern wundern sich, warum ihr Kind Probleme mit Mathematik hat. Sie üben fleißig mit ihm, doch das Mengenverständnis bleibt unsicher, Zahlen werden verwechselt, oder das Rechnen klappt nur mit den Fingern.
Die wenigsten wissen: Mathematik beginnt nicht erst mit Zahlen und Rechenaufgaben – sie beginnt im Körper! Kinder brauchen eine solide Basis an Sinneserfahrungen, Bewegung und Koordination, um mathematische Konzepte zu verinnerlichen.
Wie das Gehirn Mathe lernt
Unser Gehirn speichert Zahlen und Mengen nicht einfach ab wie eine Festplatte. Es verarbeitet sie durch:
✅ Bewegung – Kinder, die krabbeln, klettern und balancieren, trainieren ihr räumliches Denken.
✅ Sinneserfahrungen – Das Greifen, Schütten, Sortieren von Gegenständen schult das Mengenverständnis.
✅ Rhythmus & Muster – Klatschspiele und Bewegungsspiele helfen, Strukturen zu erkennen.
In den ersten Lebensjahren erleben Kinder diese Grundlagen ganz natürlich – sie tasten, stapeln Bauklötze, schaukeln, balancieren. Doch mit dem Schuleintritt ändert sich vieles: Plötzlich müssen sie stillsitzen, viel Zeit mit Stift und Papier verbringen und abstrakt denken.
Warum viele Kinder Probleme mit Mathe bekommen
Wenn ein Kind Schwierigkeiten mit Mathematik hat, kann das viele Ursachen haben. Oft sind es jedoch fehlende oder unzureichend ausgebildete Basisfähigkeiten, die das Rechnen erschweren:
🔹 Schwache Augen-Hand-Koordination:
Die Hand-Augen-Koordination ist eng mit der Vernetzung von Hirnarealen verbunden, die für visuelle Verarbeitung, Motorik und mathematisches Denken zuständig sind. Laut Studien (z. B. Krause-Sauerwein, 2014) bildet die motorische Entwicklung die Basis für abstrakte Konzepte wie Mengen oder Raumvorstellung. Fehlt diese Basis, können Kinder mathematische Inhalte schwerer „begreifen“.
🔹 Mangelnde Körperwahrnehmung & Gleichgewicht:
Mangelnde Körperwahrnehmung und Gleichgewicht wirken sich negativ auf zentrale mathematische Kompetenzen wie räumliches Denken, Mengenverständnis und Mustererkennung aus.
🔹 Fehlende Sinneserfahrungen:
Das Kind hat zu wenig Gelegenheiten gehabt, Größen, Gewichte oder Mengen durch eigenes Tun zu erfassen.
Die Notwendigkeit vielfältiger Bewegungs- und Sinneserfahrungen endet nicht mit dem Schuleintritt, sondern bleibt auch in den ersten Grundschuljahren von großer Bedeutung. Die schulische Struktur bietet jedoch oft zu wenig Raum für diese wichtigen Erfahrungen.
Warum mehr Üben nicht immer hilft
Eltern versuchen oft, Lernprobleme durch zusätzliches Üben zu lösen. Doch wenn die Grundlage fehlt, führt das zu Frust:
❌ Ein Kind, das Mühe hat, Mengen zu begreifen, wird nicht durch mehr Arbeitsblätter plötzlich sicherer im Rechnen.
❌ Ein Kind mit Koordinationsproblemen wird nicht durch bloßes Wiederholen der Aufgaben sauberer schreiben.
❌ Ein Kind, das abstrakte Zahlen nicht mit realen Mengen verknüpfen kann, bleibt beim zählenden Rechnen hängen.
Was hilft dann?
👉Eine gezielte Kombination aus Bewegung, Wahrnehmungstraining und schulischer Förderung!
Bewegung & Wahrnehmung als Basis für erfolgreiches Lernen
Viele Programme auf dem Markt versprechen, durch Bewegung das Gehirn zu vernetzen – und das funktioniert auch! Doch Bewegungs- oder Wahrnehmungstraining allein macht aus einem Kind noch keinen besseren Mathematiker.
✔️ Bewegungstraining verbessert Koordination, Wahrnehmung und Konzentration.
✔️ Das hilft Kindern, mathematische Zusammenhänge leichter zu erfassen.
✔️ Aber: Ohne gezieltes Mathematiktraining bleiben Wissenslücken bestehen.
Mathematik baut aufeinander auf – fehlen grundlegende Konzepte, reicht es nicht, nur die Wahrnehmung zu schulen. Entscheidend ist die Kombination:
📌 Bewegung + Sinneserfahrungen + gezieltes Mathelernen = nachhaltiges Verständnis!
Wie du dein Kind unterstützen kannst, mathematische Kompetenzen zu entwickeln:💡 Setze auf Alltagserfahrungen und Versprachlichung:
• Lasse dein Kind beim Kochen Zutaten abwiegen und Mengen schätzen.
• Mach das Einkaufen zu einem gemeinsamen Erlebnis: Lass dein Kind beim Einkaufen Preise vergleichen, Gemüse abwiegen, …
• Spielsachen wegräumen, Tisch decken, Kasten einräumen, mit Bauklötzen spielen, Dinge teilen…
Das alles sind Anlässe, um mathematische Sprache zu erlernen und selbstverständlich in den Alltag zu integrieren: wegnehmen, dazugeben, weniger, mehr, vergleichen, um eins mehr, links, rechts, oben, unten,…
Nutze Sportangebote und die Natur für vielfältige Bewegungs- und Sinneserfahrungen.
• Kann dein Kind rückwärtslaufen und hüpfen, mindestens 5 Sekunden auf einem Bein stehen? Bälle werfen und fangen?
• Lass dein Kind Sport treiben, aber auch frei in der Natur spielen.
Sportarten, die sich besonders positiv auf die Hirnvernetzung auswirken, sind: Schwimmen, Klettern, Voltigieren, Turnen.
Kombiniere Bewegung mit Lernen:
• Zahlen mit Kreide auf den Boden malen und beim Hüpfen Rechenaufgaben lösen.
• Gib dem Kind Bewegungsaufgaben zwischen den Lerneinheiten.
• Lernen muss nicht unbedingt am Schreibtisch stattfinden.
• Fingerfertigkeit trainieren: Kneten, Schneiden, Perlen auffädeln – das verbessert die Schreibmotorik.
💡 Achte auf eine ganzheitliche Förderung:
• Bewegung ist wichtig – und eine gezielte Unterstützung beim Mathematiklernen sind die ideale Kombination.
Fazit: Mathe beginnt nicht auf dem Papier – sondern im Alltag!
Kinder, die mathematische Schwierigkeiten haben, brauchen nicht einfach mehr Übungsaufgaben, sondern eine solide Basis aus Bewegung, Sinneserfahrungen und gezieltem Lernen.
Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, möchte ich dir noch ein paar Namen mit auf den Weg geben, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben:
• Jean Piaget: Seine Theorie der kognitiven Entwicklung betont, dass Kinder durch Handlungen und Interaktionen mit ihrer Umwelt lernen.
• A. Jean Ayres: Ihre Theorie der sensorischen Integration erklärt, wie Sinneserfahrungen die Grundlage für Lernen und Verhalten bilden. Die "Bausteine der kindlichen Entwicklung" nach Ayres verdeutlichen, wie wichtig die Verarbeitung von Sinnesreizen für die Entwicklung höherer kognitiver Fähigkeiten ist.
• Carla Hannaford: Smart Moves: Why Learning Is Not All in Your Head zeigt auf, wie Bewegung das Lernen unterstützt.
• Stephanie Krause-Sauerwein: Ihre Dissertation (Das lernförderliche Potenzial von Bewegung in der Grundschule) untersucht, wie Lehrer Bewegung im Unterricht nutzen können.
Und falls du dich fragst, wie du diese Erkenntnisse konkret im Alltag umsetzen kannst: Demnächst teile ich hier auf dem Blog einen neuen Artikel mit ganz konkreten Übungen und Spielen, die du mit deinem Kind zu Hause ausprobieren kannst, um seine mathematischen Fähigkeiten auf spielerische Weise zu fördern. Also, bleib dran an diesem spannenden Thema und komm bald wieder vorbei!
Sehr viele Übungen zur Förderung von sensorischen und motorischen Grundlagen findest du auch in meinem Lernhilfejournal: LOL: Dein Kind lernt konzentriert
Dieses ist verknüpft mit einem kostenlosen Onlinekurs, in dem du sehr konkrete Übungen an die Hand bekommst.
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